Wie kommt man zum Bambus?
Ursprünglich hatte ich keinerlei Interesse an der Gartenarbeit. Mein Garten war zunächst ein Acker, später ein Rasen. Das einzige, was mich faszinierte, war ein Gartenteich, den ich auch anlegte. Und mit ihm wurde ich zum fanatischen Gärtner.
Blühende Pflanzen interessierten mich eigentlich nicht so sehr als die verschiedenen Strukturen von Blättern. Durch eine uralte Gartenzeitschrift angeregt, pflanzte ich um meinen Teich verschiedene Ziergräser wie Chinaschilf und Lampenputzergras. Eines Tages besuchte mich mein Hausarzt und meinte, in meinem Gräsergarten fehle eigentlich nur noch ein Bambus.
Bis zu diesem Zeitpunkt war Bambus für mich eine exotische Pflanze aus Asien, die unmöglich bei uns wachsen kann. Als ich schließlich den riesigen Bambushorst im Garten meines Arztes sah (Phyllostachys aurea in sehr geschützter Lage), war ich begeistert von der Eleganz und Schönheit dieses Grases. Zum enthusiastischen Bambussammler wurde ich endlich, als ich die Gärten der Familien Jonas und Hromadnik bewundern durfte. Denn da sah ich erstmals, wie artenreich dieses Gras ist (besonders Phyllostachys aureosulcata spectabilis hatte es mir angetan). Da nach Aussagen meiner Frau (einer Rosenliebhaberin) in jedem Mann ein Sammeltrieb steckt, begann ich die Suche nach den verschiedenen Arten und Formen.
Jetzt befinden sich in meinem Garten zirka 60 verschiedene Bambusarten, darunter auch sehr seltene, wie z.B. Phyllostachys virella, Phyllostachys rubicunda oder Phyllostachys circumpilis. Da mein Garten relativ klein ist (700 m2) sind leider sehr viele Bambusarten nur Gäste, die irgendwann umziehen müssen, was mir sicherlich schwer fallen wird, denn man hat seine Lieblinge doch gerne in seiner Nähe.
Als Begleitpflanzen in meinem Garten habe ich neben den Ziergräsern (biete jederzeit Ableger an, die für Bambusliebhaber gratis sind) u. a. japanische Zierahorne, eine Drehakazie sowie eine Tibetkirsche (für mich der schönste Baum) gepflanzt. Leider war der letzte Winter bei uns im Weinviertel äußerst hart (2 Tage mit -24 Grad), dabei sind die meisten Bambusse oberirdisch total geschädigt worden, darunter so genannte winterharte Arten wie Phyllostachys bissetii oder nuda. Einzig und allein Phyllostachys nigra überlebte nahezu unbeschadet, da ich ihn in Vlies eingepackt hatte. Ich rate deshalb jedem Bambusliebhaber, im ersten Jahr die Pflanzen im Winter mittels Vlies zu schützen. Gott sei Dank erlitten die Rhizome keine Schäden und alle Bambusse haben neu ausgetrieben.
Abschließend möchte ich bei den Familien Hromadnik und Jonas bedanken, die einen wesentlichen Anteil an meiner Leidenschaft haben. Ohne sie wäre mein Garten nicht das, was er heute ist.
Karl Seidl, 2/05
